Lebenshilfe Sillian - Eine graue Mauer wird bunt

Veröffentlicht am: 03.11.2026

Und mit ihr manche Sichtweise. Lebenshilfe in Sillian gestaltet gemeinsam ein sichtbares Zeichen für Vielfalt und Miteinander

 

Wer in den vergangenen Wochen am Wohnstandort der Lebenshilfe in Sillian vorbeigekommen ist, konnte beobachten, wie sich eine lange graue Mauer Schritt für Schritt verwandelt hat. Was früher unscheinbar war, leuchtet heute in bunten Farben und erzählt eine Geschichte von Kreativität, Gemeinschaft und gelebter Vielfalt.

 

Entstanden ist das Kunstwerk gemeinsam mit Bewohnern des vollzeitbegleiteten Wohnens sowie Klienten, die von der Mobilen Begleitung (MOBE) unterstützt werden. Es wurde geplant, gestrichen, gemalt, ausprobiert und gelacht. Jede und jeder brachte sich auf die eigene Weise ein. Manche mit dem Pinsel, andere mit Ideen, mit Begeisterung oder einfach durch das gemeinsame Dabeisein.

 

So unterschiedlich die Menschen waren, die an diesem Projekt mitgewirkt haben, so vielfältig ist auch das Ergebnis geworden. Vielleicht ist genau das die Botschaft dieser Mauer. Denn die Menschen, die in Wohnstandorten der Lebenshilfe leben oder von der Mobilen Begleitung unterstützt werden, sind Teil unserer Gemeinde. Man begegnet ihnen beim Einkaufen, auf Spazierwegen, im Café oder bei Veranstaltungen. Sie leben nicht neben der Gesellschaft, sondern mitten unter uns.

Und dennoch entstehen manchmal Unsicherheiten. Nicht aus böser Absicht, sondern oft einfach deshalb, weil man wenig Berührungspunkte mit Menschen mit Behinderungen hat. Manchmal fragen sich Nachbarn oder Passanten, ob alles in Ordnung ist, wenn jemand alleine unterwegs ist, ungewöhnlich kommuniziert oder sich anders verhält, als man es gewohnt ist.

 

Was dabei leicht vergessen wird: Menschen mit Behinderungen führen ihr eigenes Leben, treffen eigene Entscheidungen und bewegen sich selbstständig in ihrer Gemeinde. Wie jeder andere Mensch haben auch sie unterschiedliche Persönlichkeiten, Stärken, Interessen und Gewohnheiten. Manche sind gesellig, andere eher ruhig. Manche gehen gerne spazieren, manche kennen jeden Winkel der Gemeinde besser als andere.

 

Die Aufgabe der Assistenten der Lebenshilfe besteht nicht darin, Menschen ihr Leben abzunehmen, sondern sie dabei zu unterstützen, ihr Leben möglichst selbstbestimmt zu gestalten. Im Mittelpunkt steht dabei immer der Mensch mit seinen Fähigkeiten, Wünschen und Entscheidungen.

Das Mauerprojekt hat diese Haltung auf schöne Weise sichtbar gemacht. Niemand musste etwas Bestimmtes können. Niemand musste sich anpassen. Jede und jeder durfte mitmachen und einen eigenen Beitrag leisten. Gerade dadurch entstand etwas Gemeinsames.

 

Inklusion beginnt oft nicht mit großen Projekten oder politischen Diskussionen. Sie beginnt dort, wo Menschen einander begegnen, sich wahrnehmen und selbstverständlich dazugehören dürfen. Die bunte Mauer vor dem Wohnhaus ist deshalb mehr als nur ein Kunstwerk. Sie erinnert daran, dass Vielfalt das Zusammenleben bereichert und dass eine Gemeinschaft dann besonders lebendig wird, wenn alle Menschen darin ihren Platz haben.

 

Ein herzliches Dankeschön gilt der Firma Malerei Schett, die Farben, Pinsel und Abdeckmaterial kostenlos zur Verfügung gestellt hat, sowie der Metzgerei Ortner, welche die Würstchen für das gemeinsame Grillen gesponsert hat. So wurde aus einem Kreativprojekt auch ein Tag voller Begegnungen und guter Gespräche. Vielleicht lohnt sich beim nächsten Vorbeigehen ein kurzer Blick auf die bunte Mauer. Vielleicht entdeckt man dabei nicht nur Farben und Muster, sondern auch die Geschichte dahinter: die Geschichte von Menschen, die hier leben, dazugehören und unsere Gemeinde jeden Tag ein Stück bunter machen.